Kultur

9 Fakten zur Kultur- & Kreativbranche

Über die letzten Wochen und Monate hinweg habe ich auf Instagram und Facebook unter dem Hashtag #faktenkreativbranche eine Reihe von Zahlen und Fakten zur Kultur- und Kreativbranche gepostet. Meine Intention war dabei, auf die oft unterschätzte Größe und Bedeutung dieser Branche hinzuweisen und zumindest im Ansatz einen Eindruck ihrer Komplexität und Vielfalt zu vermitteln.

Die zahlreichen Reaktionen und Nachfragen dazu haben mich darin bestärkt, dass diese Aktion richtig und wichtig war und es noch erheblichen Aufklärungsbedarf, nicht nur in der Politik, sondern in der Gesellschaft allgemein, über die Relevanz der Branche und die Lebens- und Arbeitswelt ihrer AkteurInnen gibt.

In diesem Artikel habe ich noch einmal alle Posts der vergangenen Wochen zusammengefasst.


1,7 Millionen Erwerbstätige und der Kultur- und Kreativwirtschaft

Rund 1,7 Millionen Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Damit arbeiten in diesem Wirtschaftszweig mehr Menschen als in jeder Vergleichsbranche in Deutschland – und demnach sogar mehr als im Maschinen- oder Fahrzeugbau!

1,2 Millionen von ihnen sind sogenannte „Kernerwerbstätige“, also Sozialversicherungspflichtige und Selbstständige.

Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019.


18.454 Euro durchschnittliches Jahreseinkommen

18.454 Euro betrug das durchschnittliche (Brutto-) Jahreseinkommen der Versicherten in der Künstlersozialkasse zum 01.01.2020.*

Klingt wenig? Ist es auch, denn es bedeutet einen Bruttolohn von 1.538 Euro im Monat oder – bei durchschnittlich 254 Arbeitstagen pro Jahr – einen Bruttotageslohn von 72,65 Euro. Rechnet man dies auf theoretische 8 Arbeitsstunden pro Tag um, bleibt ein Brutto-Stundenlohn von 9,08 Euro, also 27 Cent weniger als der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro!

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 verdiente ein deutscher Vollzeitbeschäftigter durchschnittlich 3.994 Euro brutto im Monat. Das bedeutet ein Brutto-Jahreseinkommen von etwa 47.928 Euro und ein Brutto-Stundenlohn von 23.58 Euro.**

*Quelle: Künstlersozialkasse, https://www.kuenstlersozialkasse.de/service/ksk-in-zahlen.html
**Quelle: Wirtschaftswoche, https://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/durchschnittseinkommen-so-viel-verdienen-die-deutschen/26598720.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

11 Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in Deutschland ist äußerst vielfältig.

Die Branche unterteilt sich gemäß der Wirtschaftsministerkonferenz in insgesamt 11 Teilmärkte: Musik, Buchmarkt, Kunstmarkt, Film, Rundfunk, Darstellende Künste, Design, Architektur, Presse, Werbung, Software- und Games.*

Allein diese Auflistung zeigt die enorme Bandbreite der in der Kreativwirtschaft tätigen Akteur*innen. Und diese Vielfalt ist zugleich ihre größte Schwäche: Die (politischen) Bedürfnisse der einzelnen Teilbereiche sind ähnlich vielschichtig wie die Tätigkeitsfelder der Marktteilnehmer*innen, was zur Folge hat, dass es, im Gegensatz bspw. zur Automobil- oder Chemiebranche, kaum schlagkräftige und durchsetzungsstarke Interessenvertretungen gibt.

*Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019.

Nur 0,003589881$ Vergütung pro Stream

Die Bedeutung von Streamingangeboten ist in den letzten Jahren immens gewachsen und gerade auch für die Film- und Musikschaffenden von immer größerer wirtschaftlicher Relevanz.

Im Musikbereich machen die Platzhirsche Spotify (Marktanteil 38%), Apple Music (19%) und Amazon Music (15%)* den Markt weitestgehend unter sich aus – mit den entsprechenden Folgen für die Künstler*innen.

0,003589881$ bzw. 0,00301155€ zahlt bspw. Spotify pro Stream an die Rechtinhaber*innen aus.** Dies bedeutet, dass es 332 Streams bedarf, um einen Euro zu verdienen oder sage und schreibe 332.054 Streams für € 1.000,-!

Derart hohe Abrufzahlen verzeichnen allerdings nur Top-Künstler. Es ist also hart verdientes Geld. Hinzu kommt, dass die Abrechnungsmethoden in der Regel intransparent, nicht nachvollziehbar und manipulationsanfällig sind.

*Quelle: Handelsblatt, https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/musik-streaming-spotify-uebertrifft-erwartungen-verdient-aber-noch-immer-kein-geld
**Quelle: https://www.digitalmusicnews.com/2016/09/15/streaming-music-earn-1-dollar/

Deutschland ist Kulturreiseziel #1 in Europa

Hättest du es gewusst? Deutschland liegt in Europa als Kulturreiseziel auf Platz 1 – sogar noch vor Frankreich.*

Museen, Ausstellungen, Festivals, historische Sehenswürdigkeiten und viele andere kulturelle Angebote locken Jahr für Jahr Menschen aus aller Welt nach Deutschland und mit ihnen auch eine erhebliche Wirtschaftskraft.

So diagnostiziert der Deutsche Tourismusverband: „Kultur in allen ihren Facetten – von der Kulturveranstaltung bis zur Baukultur – ist neben sozialen Aspekten aus Nachfragesicht der mit Abstand wichtigste Attraktivitätsfaktor bei privaten Städtereisen.“**

Bereits 2006 zeigte eine Untersuchung des Verbands, dass rund 82 Milliarden Euro Umsatz und rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze dem Städte- und Kulturtourismus zuzurechnen sind.***

*Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Tourismus/tourismuspolitik-schwerpunkte-kulturtourismus.html
**Quelle: Deutscher Tourismusverbandm https://www.deutschertourismusverband.de/fileadmin/Mediendatenbank/PDFs/Staedtestudie_Kurzfassung.pdf
***Quelle: Hoger Hagenlocher: https://www.holger-hagenlocher.de/allgemein/wirtschaftsfaktor-kulturtourismus/

168 Milliarden Euro Umsatz

Sage und schreibe 256.000 Unternehmen zählen zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Mit 168 Mrd. € Umsatz steuern sie 3% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Und mit einer Bruttowertschöpfung von 100 Mrd. € ist die Branche größer als die chemische Industrie, die Energieversorgung oder die Finanzdienstleistungsbranche!

Zweifelt jetzt noch jemand an der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung?

Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019

58,1% aller Deutschen besuchen jährlich Musikveranstaltungen

48,32 Mio. Deutsche besuchen mindestens gelegentlich Musikveranstaltungen oder Konzerte.* Bei aktuell 83,1 Mio. EinwohnerInnen** sind das beeindruckende 58,1%. Kultur ist also alles andere als ein Randphänomen oder ein Nischenthema.

*Quelle: Statista, https://de.statista.com/themen/668/eventbranche/#dossierSummary__chapter4
**Quelle: Statistisches Bundesamt, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html

70.400 Erstauflagen der deutschen Verlage pro Jahr

Rund 70.400 Erstauflagen veröffentlichen Deutschlands Verlage und Institutionen im Jahr. Eine beachtliche Zahl! Allerdings sinkt die Anzahl der Erstveröffentlichungen seit geraumer Zeit. Im Vergleich: 2008 erschienen noch 83.400 Titel.*

Mit ca. 9,29 Milliarden Euro verzeichnen die sogenannten buchhändlerischen Betriebe allerdings einen seit 2015 stabilen Umsatz. Der Hauptanteil entfällt dabei mit 46,2% noch immer auf den stationären Buchhandel.**

*Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kulturstatistiken, Kulturindikatoren auf einen Blick, Ein Ländervergleich Ausgabe 2020
**Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, https://www.boersenverein.de/markt-daten/marktforschung/wirtschaftszahlen/branchenumsatz-und-branchenentwicklung/

60% geringerer Verdienst für BerufseinsteigerInnen

15.776 € betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen der bei der Künstlersozialkasse versicherten BerufsanfängerInnen zum 01.01.2020.* 

Zum Vergleich: Das Durchschnittsgehalt aller BerufsanfängerInnen in Deutschland liegt bei derzeit rund 38.200 €.**

KünstlerInnen verdienen demnach fast 60% weniger als andere BerufseinsteigerInnen und sind sozial deutlich schlechter abgesichert.

*Quelle: Künstlersozialkasse, https://www.kuenstlersozialkasse.de/service/ksk-in-zahlen.html)
** Quelle: Stepstone, https://www.stepstone.de/gehalt/Berufsanfaenger-in.html

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